Unterhalt für das Kind: Das müssen Sie wissen (und beachten!)

Aktenordner mit der Beschriftung Unterhalt
  • Wie lange der Unterhalt für das Kind gezahlt werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Erst wenn das Kind einen Beruf ausüben und selbst Geld verdienen kann, können die Zahlungen stoppen – unabhängig vom Alter. Kinder, die studieren, erhalten demnach meist deutlich länger Unterhalt als Kinder, die nur eine dreijährige Ausbildung absolvieren.
  • Die Höhe der Unterhaltszahlungen ist klar in der Düsseldorfer Tabelle geregelt und richtet sich u.a. nach dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen.
  • Unterhaltszahlungen können steuerlich geltend gemacht werden. Welche Variante dabei in der Steuererklärung genutzt wird, hängt oft vom Verhältnis zum Ex-Partner ab.

Bei einem getrennt lebenden Paar ist es so, dass das Elternteil für das Kind, welches nicht im eigenen Haus lebt, Unterhalt zahlen muss.

In diesem Ratgeber erklären wir, wie lange diese Zahlungen geleistet werden müssen, welche Rechte und auch Pflichten für die Zahlungen vom Unterhalt bestehen und ob der Unterhalt steuerlich absetzbar ist.

1. Es gibt kein festes Alter, an welchem die Zahlungen vom Unterhalt fürs Kind enden

Wohnort nicht immer relevant

Zieht das Kind für das Studium oder die Ausbildung aus dem Haus der Mutter aus, hat dies keinen Einfluss auf den Unterhaltsanspruch. Gezahlt werden muss weiterhin.

Leben Mutter und Vater getrennt und das Kind ist beispielsweise überwiegend bei der Mutter, so muss der Vater Unterhalt zahlen. Dies gilt übrigens auch für ein uneheliches Kind, wenn die Mutter Unterhaltszahlungen einfordert. Tatsächlich ist es Pflicht, für das Kind so lange Unterhalt zu zahlen, bis es seine erste Ausbildung abgeschlossen hat. Dies gilt auch für ein Studium. Erst danach ist ein Kind nämlich in der Lage, selbst seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Nicht zahlen hingegen muss man, wenn das Kind theoretisch eine Ausbildung/ein Studium absolvieren oder sich gleich um einen Job kümmern kann, dies aber verweigert. Um hier die Unterhaltszahlungen stoppen zu können, muss oft das Gesetz in Anspruch genommen werden.

Achtung: Ob das Kind sich für eine dreijährige Berufsausbildung oder ein Studium über 6 Jahre entscheidet, liegt einzig und allein im Ermessen des Kindes. Umgehen kann man damit die Zahlung vom Unterhalt nicht. Ist ein Kind hingegen behindert und kann demnach kein eigenes Einkommen erzielen, stoppen die Unterhaltsverpflichtungen nicht – unabhängig vom Alter.

2. Die Höhe vom Unterhalt ist nach der Düsseldorfer Tabelle geregelt

In der Düsseldorfer Tabelle ist geregelt, wie hoch die Zahlungen vom Unterhalt ausfallen müssen. Abhängig ist die Höhe zum einen vom Alter des Kindes (je älter, desto höher die Summe) und dem Nettoeinkommen der Person, die den Unterhalt zahlen muss. Nicht vergessen werden darf dabei, dass auch immer ein bestimmter Eigenanteil zum Leben bleiben muss. Wer als Unterhaltspflichtiger demnach Hartz 4 bezieht, kann in der Theorie keinen Unterhalt zahlen, in der Praxis sieht dies jedoch oft anders aus. Wer nämlich Leistungen erhält, muss sich auch um eine Arbeit bemühen, um sämtliche Kosten (wenigstens den Mindestsatz) selbst tragen zu können. Wenn man dieses verweigert, erfolgt die Berechnung von einem fiktiven Einkommen.

Eine Auszahlung vom Kindergeld findet theoretisch erst einmal an beide Eltern in gleicher Höhe statt. Bei einer Trennung erhält das Elternteil, bei dem das Kind lebt, das Geld jedoch in voller Höhe. Die Hälfte vom Unterhaltspflichtigen wird dabei von der Unterhaltszahlung abgezogen.

Vor- und Nachteile von der Zahlung vom Unterhalt für den Unterhaltspflichtigen

  • Dem gemeinsamen Kind entstehen keine finanziellen Nachteile im Leben durch die Trennung der Eltern.
  • Der Unterhaltspflichtige, der freiwillig zahlt, hat oft einen besseren Kontakt zu seinem Kind, weil er an dessen Leben oft aktiver teilnehmen kann (meist der Fall, wenn sich die Eltern im Einvernehmen getrennt haben).
  • Oft werden von Vätern Zahlungen eingefordert, auch wenn massive Zweifel bestehen, dass das Kind wirklich das eigene ist – verursacht meist Kosten und gerichtliche Schritte.
  • Trotz Zahlungen kann das Recht am Umgang mit dem Kind vom anderen Partner verweigert werden, wenn triftige Gründe vorliegen.
Unterhalt

Unterhalt wird an alle minderjährigen Kinder im gleichen Maße gezahlt – eine Bevorzugung ist nicht möglich.

Übrigens führt die Anzahl der Kinder für die Zahlungen vom Unterhalt nicht immer zum Kürzen der Summe pro Kind. Ist 1 Kind vorhanden, so geht es nach den regulären Sätzen aus der Tabelle. Bei 2 Kinder oder gar 3 Kindern ist es jedoch möglich, dass der Unterhaltspflichtige um eine Stufe heruntergesetzt werden kann, wenn die zu zahlenden Leistungen nicht im Verhältnis mit der Anzahl der Kinder und dem Einkommen stehen. Eine Gleichberechtigung aller Kinder (sofern alle minderjährig sind) ist aber immer geregelt. Das Kind aus der “alten” Beziehung erhält demnach genauso viel Unterhalt wie das Kind aus einer neuen Beziehung.

2.1. Vorschuss vom Jugendamt ist vom Unterhaltspflichtigen zurückzuzahlen

Unterhalt

Im Notfall bekommen Eltern einen Vorschuss, wenn der Unterhaltspflichtige seinen Leistungen erst einmal nicht nachkommen will.

Oft ist es so, dass die Pflicht zur Zahlung vom Unterhalt gern mal ignoriert wird. Haben sich die Eltern getrennt und die Mutter des gemeinsamen Kindes scheint einen neuen Partner zu haben, weigern sich viele Väter erst einmal zu zahlen – egal ob berechtigt oder nicht. In diesen Fällen ist es sinnvoll, einen Vorschuss vom Jugendamt anzufordern. Dieser Vorschuss ermöglicht dem Elternteil mit dem Kind, alle regulären Ausgaben weiterhin decken zu können.

Umgehen können die Unterhaltspflichten das Zahlen damit aber nicht. Das Jugendamt wird den Vorschuss in voller Höhe von ihm einfordern. So muss der unterhaltspflichtige Elternteil oft nicht nur regulär zahlen, sondern auch den versäumten Anteil nachzahlen.

3. Zahlungen vom Unterhalt können in der Steuererklärung angegeben werden

Wer steuerpflichtig ist und sich einen Teil seiner Ausgaben zurückholen möchte, kann dies auch mit den Unterhaltszahlungen tun. Die Zahlungen können dabei sowohl als Sonderausgaben als auch außergewöhnliche Belastungen in der Einkommenssteuer-Erklärung angegeben werden. Welche Variante für Sie persönlich sinnvoller ist, hängt oft  auch vom Kontakt zum anderen Elternteil ab.

Nachfolgend die groben Unterschiede der beiden Varianten:

Unterhalt als Sonderausgaben Unterhalt als außergewöhnliche Belastungen
Der Partner, der den Unterhalt für das Kind erhält, muss dieser Variante zustimmen. Ist ohne Zustimmung des anderen Partners möglich.
Der Partner, der den Unterhalt für das Kind erhält, muss dieses Geld selbst als Einkünfte in der Steuererklärung berücksichtigen (Anlage SO). Reicht der Unterhaltsempfänger keine Steuererklärung ein, so wird es schwer, die Höhe der Kosten absetzen zu können. Das Finanzamt hat keine Möglichkeit (aufgrund des Auskunftsverweigerungsrechts) eine korrekte Berechnung vornehmen zu können. Dies kann zum finanziellen Nachteil vom Unterhaltspflichtigen werden.

4. Wichtige Fragen und Antworten

4.1. Gibt es einen Rechner im Internet, mit dem ich die Höhe vom Unterhalt berechnen kann?

Im Internet sind Rechner für den Unterhalt zu finden, so dass man sich vorab selbst ausrechnen kann, ob man aufgrund seines Einkommens (abzüglich gewisser, berechtigter Ausgaben) überhaupt Unterhalt zahlen muss bzw. diesen vom anderen Elternteil erhält. Diese Rechner sind praktisch, sollten Ihnen jedoch nur einen groben Anhaltspunkt geben. Das Jugendamt rechnet die Höhe vom Unterhalt dann exakt aus.

4.2. Kann ich den Unterhalt für das Kind einklagen?

Das Einklagen vom Kindesunterhalt ist leider keine Seltenheit. Wer über eine Rechtsschutzversicherung verfügt, sollte bei dieser nach geeigneten Familienanwälten in der Nähe fragen. Je nach Fall (wenn der Partner nicht kooperieren will) kann sogar eine Pfändung vom Lohn anstehen. Wichtig zu wissen ist, dass es eine Verjährung gibt. Diese endet nach 3 Jahren. Besteht hingegen gerichtlich ein Titel gegen den Unterhaltspflichtigen, verlängert sich die Zeit auf 30 Jahre. Hat der Unterhaltspflichtige also später einmal wieder Geld, kann man dann die damals ausstehenden Zahlungen nachfordern.

4.3. Was ist mit dem Sonderbedarf bei der Zahlung vom Kindesunterhalt gemeint?

Besteht ein Mehrbedarf, muss dieser plötzlich und unerwartet eingetreten sein. Bis wann man diesen Sonderbedarf geltend machen darf, ist dabei klar geregelt: Innerhalb von einem Jahr.

Unterhalt zahlen bei Klassenfahrt

Sonderbedarf besteht u.a. bei den Zahlungen für eine Klassenfahrt. Unterhaltsempfänger können das Geld anteilig vom Unterhaltspflichtigen einfordern.

Wie viel zu zahlen ist, ist individuell nach der Düsseldorfer Tabelle und dem Einkommen vom Unterhaltspflichtigen zu berechnen. Ein Sonderbedarf kann beispielsweise bei den folgenden Punkten bestehen:

  • Klassenfahrt
  • Brille für das Kind oder Zahnarztrechnungen wegen Zahnspange
  • kurzfristiger Nachhilfeunterricht
  • Betreuungskosten
  • Erstausstattung für den Säugling (hier gilt jedoch ein Höchstbetrag von 1.000 Euro).
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